30. Januar 2026

Gedenkveranstaltung mit Herz

Internationaler Holocaust-Gedenktag in Geilenkirchen

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager in Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Auschwitz ist der Beweis und wurde zum Sinnbild des schockierenden Ausmaßes der Gewaltverbrechen des Nationalsozialismus. Das Datum der Befreiung gilt als internationaler Holocaust-Gedenktag.

Nach einem musikalischen Auftakt der Realschule Geilenkirchen und einer Begrüßung durch Johann Peter Pauli und Bernward Coers, den Vorsitzenden der Initiative Erinnern, begrüßte der Bürgermeister Dr. Armin Leon die anwesenden Schulen, die offiziellen Gäste und alle Besucher aus Geilenkirchen.
Neben der Realschule als Gastgeber, waren die Schulleitungen und ausgewählte Klassen des Gymnasiums St. Ursula, der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, des Berufskollegs Ernährung-Technik und Soziales sowie des Berufskolleg Wirtschaft Geilenkirchen anwesend.

Schüler:innen des St. Ursula Gymnasiums machten an den Schicksalen einzelner jüdischer Familien aus Geilenkirchen das Ausmaß der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten greifbar. Noch greifbarer wurden die Erfahrungen verfolgter Menschen durch den Vortrag des Historikers der RWTH Aachen, Dr. Bremen. Dr. Christian Bremen stellte einzelne Männer des weltbekannten Fotos, das unmittelbar nach der Befreiung von Auschwitz von den Alliierten aufgenommen wurde, vor. Die Gesichter von 24 abgemagerten Männern in einer Unterkunft schauen in die Kamera und Dr. Bremen gab zwei von den per Namen bekannten Männern eine Stimme.

Mit dem Lied „Mir leben ewig“ von Leib Rosenthal erinnerte der Chor des Berufskollegs für Ernährung, Soziales und Technik, an den Überlebenswillen der jüdischen Menschen während des Holocausts. Das ehemalige „Jerusalem Litauens“, das einstige Vilne, prägte das jüdische Leben bis ins 20. Jahrhundert. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1941 wurde in der Altstadt von Wilna ein Getto eingerichtet. Die Menschen in dem Getto erinnerten unter anderem mit dem oben genannten Lied an ihre Würde, ihren Mut und ihre Hoffnung. Ihr Wille war groß, sowohl körperlich vor allem aber geistig der Gewalt und der Menschenverachtung standzuhalten.

Was alle deportierten Menschen erleiden mussten, wurde im Ansatz durch die bewegenden Beiträge der Schüler:innen der Realschule Geilenkirchen, die über ihre persönlichen Eindrücke während ihrer Fahrt nach Auschwitz und dem Besuch des Konzentrationslagers berichteten, spürbar.

Zwei Schüler:innen des Berufskolleg Wirtschaft stellten einen Teil der Arbeit der Arolsen Archive vor und zeigten den Zuhörern eine Möglichkeit auf, an die Opfer des Holocaust zu erinnern. Jeder Mensch auf der ganzen Welt hat die Möglichkeit, die Namen und die persönlichen Daten von Häftlings-Personen-Karten zu digitalisieren und damit eine Brücke zwischen der Vergangenheit und dem Heute zu schlagen. Die Vortragenden betonten, dass in Anbetracht der weltpolitischen Geschehnisse unser Engagement für Demokratie wichtiger denn je sei.

Karls-Heinz Nieren richtete Grußworte von Steve Cole aus Kansas City an die Anwesenden, indem Herr Nieren den Brief von Steve Cole – dem Sohn von Ilse Dahl, einer jüdischen, ehemaligen Bürgerin aus Geilenkirchen, vorlas. Steve Cole erinnerte an das Schicksal seiner Familie und mahnte, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Sein Dank galt allen, die sich für die Erinnerungskultur und die Demokratie einsetzen.

In der folgenden Videobotschaft sprach sich die Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW, Sylvia Löhrmann, wie ihre Vorredner auch, für eine bunte, vielfältige Gesellschaft mit Toleranz und Respekt aus. Auch sie betonte den Artikel 1 des Grundgesetzes der BRD „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und sprach sich für demokratische Werte aus.

Dr. Michael Rado aus der jüdischen Gemeinde Köln lobte die gesamte Gedenkveranstaltung im „kleinen Geilenkirchen“ als eine überaus würdige und respektvolle Veranstaltung. Er zeigte sich beeindruckt von den Schüler:innen, die die Wichtigkeit der Erinnerung erkannt und in ihren Beiträgen zum Ausdruck gebracht haben. – Ein besonderes Lob, das ankam und zum Weitermachen motiviert.

Der Chor der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule sang das Lied von Udo Lindenberg „Komm wir ziehen in den Frieden“, was der Veranstaltung einen positiven Blick in die Zukunft verlieh. Mit einem Dank an alle Beteiligten von Bernward Coers und einem musikalischen Ausklang endete die diesjährige mit Herz gestaltete Holocaust-Gedenkveranstaltung.

Impressionen

Text und Fotos: Heike Poth - © BKW Geilenkirchen