Suchtprophylaxe
Suchtverhalten von Jugendlichen
Drogenprävention, also der Versuch, Suchtverhalten erst gar nicht entstehen zu lassen, hat nicht allein mit der Persönlichkeit des gefährdeten Jugendlichen und seinen charakterlichen und biologischen Voraussetzungen zu tun, sondern auch mit seinem gesamten Umfeld, einem Umfeld, das immer mehr in die Gefahr gerät, sich von einer Konsumgesellschaft zu einer Suchtgesellschaft hin zu entwickeln. In dieser Gesellschaft hat Sucht viele und beständig sich erweiternde Erscheinungsformen: Nikotin-, Alkohol-, Medikamenten-, Rauschgift-, Glücks/Spiel-, Kauf-, Fernseh- Computer-, Mager- und Fettsucht, Genusssucht in jeder Form. Weit verbreitet auch eine nahezu den gesamten Körper umfassende übersteigerte Putz-, Schmuck- und Korrektursucht, nicht zuletzt Geltungs- und Leistungssucht (Workaholic) in Sport, Beruf, Politik und Kultur.
Diese Süchte, die natürlich bei weitem nicht gleichzusetzen sind, entstehen immer früher und enden – wenn überhaupt – immer später. Nicht erst im Schulalter wird das günstige Klima für eine spätere Suchtentwicklung bereitet. Übertriebene oder allzu geringe elterliche Zuwendung, erzieherische Inkonsequenzen, im Elternhaus vorgelebte Gewohnheiten, Konflikte und Exzesse bereits während des Vorschulalters; sodann im Schulalter, auf dem Weg zur Identitätsfindung, häufig die gegensätzlichsten Befindlichkeiten des Heranwachsenden: Orientierungslosigkeit, Selbstzweifel und übertriebenes Selbstwertgefühl, Drang zur Selbstbestimmung gepaart mit dem Gefühl des Alleingelassenseins und dem Gefühl, vor unlösbaren Problemen zu stehen. Vor allem will das Erwachsensein mit seinen ausgeweiteten Handlungs- und Selbstdarstellungsfeldern, seinen Statussymbolen, immer früher – häufig ohne die inneren Möglichkeiten und die äußeren Mittel – erreicht werden. Auf diesem Wege greifen Jugendliche in Krisensituationen öfter nach verdeckten problemabweisenden als nach offenen problemlösenden Hilfen, auch nach solchen mit fatalen Folgen. Drogenmissbrauch in all seinen Formen wird dann ganz allgemein zum Versuch, Schwierigkeiten beim Übergang zum Erwachsenenalter zu lösen. Mit dem Griff zur Droge wird zugleich oft eine scheinbare Unabhängigkeit von den Eltern erkauft, wodurch jedoch erst gerade eine maximale psychische und/oder körperliche Abhängigkeit erreicht wird. Wenn bei Rauschdrogen die Beschaffung zum Mittelpunkt der Lebensinteressen wird, gehen die Neigungen und Möglichkeiten zur eigenständigen Zukunftsgestaltung schnell verloren und ein Abgleiten in die Beschaffungskriminalität bis hin zum Herausfallen aus allen sozialen, schulischen/beruflichen und familiären Bindungen mit Verwahrlosung liegt nahe. Neben den sozialen Folgen können – je nach Rauschgifttyp – die psychischen und körperlichen Folgen mit Suizid und Drogentod erschreckende Ausmaße annehmen.
Konzeption des Kurses
Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen von Jugendlichen, die vor Missbrauchs- und Suchtverhalten schützen, müssen unterstützt und gefördert werden: Sinnerfüllung, Eigenverantwortung, Eigenaktivität, Selbstachtung, Erlebnisfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Selbsteinschätzung, Frustrationstoleranz.
Auf diesem Hintergrund und der Erkenntnis, dass die Schülerinnen und Schüler im Laufe ihres Schullebens bereits ausführlich Informationsveranstaltungen zur Drogenproblematik ausgesetzt waren führen wir die Schülerinnen und Schüler auf einem anderen Weg an das Thema „Sucht“ heran.
Es hat sich seit einiger Zeit die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine rein sachbezogene Behandlung der Suchtproblematik die Schülerinnen und Schüler nicht positiv weiterbringt.
Deshalb versucht der Kurs „Suchtvorbeugung“ die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Erfahrung des sogenannten „Suchtkreislaufes“ für ihre jeweilige Disposition in Bezug auf ihr Suchtverhalten zu sensibilisieren bzw. die individuellen Ursachen für die unterschiedlichen Süchte zu verdeutlichen. Dabei wird besonders die emotionale Ebene angesprochen. Allerdings werden auch praktische Hinweise und Hilfestellungen gegeben.
Der Suchktreislauf
Mit Hilfe von 3 Fragen soll den Teilnehmern der Suchtkreislauf bewusst gemacht werden.
Zum „Aufwärmen“ sucht sich der Teilnehmer aus einer Vielzahl von Postkarten eine aus, die ihm besonders gut gefällt. Damit soll mit den Teilnehmern die Gefühlsebene durch die Verbalisierung der eigenen Befindlichkeit erreicht werden.
Anschließend werden 3 Fragen gestellt:
- Was benötige ich, um glücklich und zufrieden zu sein?
- Was fühle ich, wenn mir dies fehlt?
- Was tue ich, wenn ich diesen Mangel habe ?
Organisation
Der Kurs wird im Suchtberatungsraum im Schulgebäude am Erlenweg im Zeitrahmen von 2 Unterrichtsstunden durchgeführt. Der Raum ist in Form eines Gesprächskreises gestaltet, der den Eindruck von „Schule“ zurücktreten lässt und eine offene Gesprächsatmosphäre fördert.
Der Kurs gilt als obligatorische Unterrichtszeit für den Vormittag. Die Gruppengröße sollte 10 Teilnehmer nicht überschreiten. Die Klassen werden geteilt: in einer Woche nimmt die eine Gruppe am Kurs teil, die andere am Unterricht; in der darauf folgenden Woche ist es umgekehrt. Die Kursleiter führen die Veranstaltung im Rahmen des jeweiligen Stundendeputates als Kurs durch.
Erfahrungen
Dieses Konzept wurde von Dr. Klaus Kümmel entwickelt und wird seit dem Schuljahr 1996/97 am Berufskolleg des Kreises Aachen in Eschweiler und seit 1997/98 am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung des Kreises Aachen in Herzogenrath erfolgreich durchgeführt.
Am Berufskolleg Wirtschaft in Geilenkirchen führen wir den Kurs seit dem Schuljahr 2000/01 durch.
Die Kolleginnen und Kollegen dieser und unserer Schulen haben sowohl von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als auch vom Kollegium durchweg positive Rückmeldungen erhalten. Offensichtlich ist es gelungen die Jugendlichen dort anzusprechen, wo sie „der Schuh drückt“.
Geilenkirchen, 05.07.2011
Adi Klaming
Ansprechpartner
Anne Katthage
Bildungsgangleiterin Medizinsche Fachangestellte
E-Mail: anne.katthage@bkwirtschaft.de
Sprechzeit: nach Vereinbarung
Adi Klaming
Sprechzeit: nach Vereinbarung